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Hannas erste Wochen

Hanna

Hanna - Teil 4

Pünktlich zum Wochenendbeginn am Freitag , den 29.Oktober 2004 um 20:15 Uhr erblicktest du das Licht der Welt. Zumindest das künstliche Licht. Frau F. fragte, ob ich dich selbst hoch nehmen möchte und ich stützte mich nach oben und sah dich zum ersten Mal. Du lagst vor mir, etwas lilafarben und schautest mich einfach nur an.

Hallo mein Mädchen, da bist du endlich ! , dachte ich , denn mir verschlug es die Sprache. Ich glaubte vor der Geburt, dass ich in jenem Moment sicher weinen werde vor Glück. Als es jedoch nun soweit war, empfand ich so viel , dass ich nicht mal weinen konnte. Ich war glücklicher, als eine Träne zu verraten vermag und stolzer als ein Krieger. 

Dein Vater hatte die große Ehre dich abzunabeln. Du warst das schönste Geschöpf Gottes und ich nahm dich in meine Arme und legte dich auf meine Brust. Wir sahen uns für lange Zeit in die Augen. Du warst sauber, kein Blut klebte an dir, keine Falten an deinem Körper und keine Käseschmiere. Ich zählte deine Finger und deine Zehen, um zu wissen, ob du gesund bist. Etwa eine halbe Stunde ließ man uns einander, danach kamen Ärztin und Hebamme zurück. Deine erste Untersuchung stand nun bevor und ich war mir sicher, dass es dir gut ging.

Dein Name passte perfekt zu dir. Hanna - Die Anmutige und Liebreizende. Nun lagst du zum ersten Trinken an meiner Brust, als die Hebamme mit dem Telefon zu uns kam. Die noch nichts wissende und frischgebackene Oma, rief voller Neugier an, wie weit die Geburt denn schon wäre. Ich gestikulierte zu deinem Vater, weil ich einfach zu kaputt zum Reden war. Er erklärte meiner Mutter, dass es bereits überstanden war und sie nun endlich OMA geworden ist. Sie konnte es zunächst nicht glauben. So schnell? , fragte sie. Die Freude war so groß, dass sie gleich eine weitere Piccolo zu Hause köpfte und meine Schwester anrief. 

Meine liebe Hanna

Noch völlig ungläubig und unsicher hielt ich dich in meinen Armen. Wie halte ich dich am besten, ohne dir etwas abzubrechen, ohne dir wehzutun? Ich wurde nun vom Kreißsaal in meinem Wochenstationsbett auf STATION , vorbei an den noch armen hochschwanger Frauen, geschoben. Ob die mich schreien gehört haben? Egal. Es war inzwischen kurz nach 22:00 Uhr, als ich in meinem Zimmer lag. Du wurdest im Neugeborenen Zimmer gebadet und angekleidet. Ich hatte nun etwas Zeit, um mich auszuruhen. Dein Vater blieb noch bis 23:00 Uhr bei mir und ging dann heim. Er konnte sich nur mit Mühe losreißen. Bis 3:00 Uhr nachts saß er am PC, verschickte die ersten Fotos und rief die Verwandten an. Ich weiß nicht, wann er mal etwas gegessen hat. Die ganzen Tage mit mir im Krankenhaus, haben auch an seinen Nerven gezehrt und auch an seinen Kilos. Ich versorgte ihn mit Krankenhausessen, aber wer isst das schon freiwillig? Irgendwann, gegen 2:00 Uhr nachts brachten die Kinderkrankenschwestern dich zum Trinken zu mir. Als du fertig warst, schob ich dich zusammen mit einer Nachtschwester zurück ins Neugeborenenzimmer. 

Jedoch konnte ich mich gar nicht mehr von dir trennen, war aber zu schwach, um dich gleich bei mir schlafen zu lassen. Ich ging. Ich lag in meinem Bett und meine Gedanken kreisten nur um dich. Kann es war sein? Wie schön du bist! Du bist mein Kind! Ich stand auf und holte dich doch zu mir. Ich sah dich an, streichelte dich und fühlte deine Nähe und deinen Atem. So klein. Ich hab s geschafft. Ja, ich würde alles wieder so machen und alles aushalten. Ich schlief ungefähr drei Stunden in dieser Nacht. In diesen drei Stunden träumte ich von der Geburt, vom Schmerz und den ganzen Leuten, die an mir herumgedoktert hatten. Als ich aufwachte, konnte ich nicht anders und schaltete mein Handy unter der Bettdecke an und schickte jedem eine SMS das du ANGEKOMMEN bist. Noch immer war Adrenalin in meinem Körper und die ganzen Hormone hielten mich in Schach. Ich kam nicht zur Ruhe und wollte auch nicht zur Ruhe kommen. Ich habe ein Baby bekommen! 

Die Milch kommt

Es ist der 30.10.2004: Heute erblicktest du im wahrsten Sinne das Licht der Welt. Ich genoss die ersten Tage mit dir allein. Wir kuschelten viel und waren uns immer ganz nahe. Zwei Tage nach deiner Geburt fragte mich am Abend die Krankenschwester, ob ich schon etwas vom Milcheinschuss spürte. Ich verneinte dies und daraufhin teilte sie mir mit, dass es wahrscheinlich in dieser Nacht so weit wäre. Ich konnte mir das nicht vorstellen und dachte: Ja, ja red nur ! Als ich am Morgen aufwachte, war mein Nachthemd durch und durch nass. Ich ging ins Badezimmer um zu duschen und erblickte meinen prallen, mit Milch gefüllten Busen. Das sah zugegebenermaßen sexy aus. Von Körbchengröße B auf D in wenigen Stunden. Wahnsinn. Sie waren allerdings dem Platzen nahe. Ich sah aus wie frisch operiert und verglich mich mit Pamela Anderson. Mir gefiel was ich sah und drehte und wendete mich im Spiegel. Als ich duschte und mich anschließend abtrocknete, lief die Milch an mir herunter. Das war eindeutig zu viel des Guten und so sollte es auch nicht sein. Nein, dass gefiel mir nicht. Ich trank Pfefferminztee, denn der hat eine milchmindernde Wirkung. 

Der Milchstrom riss dennoch nicht ab. Ich wusste, dass sich die Milchproduktion noch einspielt, je nach Nachfrage eben, aber das dauerte mir zu lang. Ich hatte Schmerzen. Am 2.11.04 ging es nach Hause und meine nachsorgende Hebamme verordnete mir Salbeitee zum Milchreduzieren. Es klappte. Leider musste ich mich auch von meinem Pamela-Busen verabschieden. Die Liebe mit deinem Vater kommt zu kurz Oder sollte ich fragen: Welche? Liebe kann man von der Geburt des Kindes an (auch) nicht mehr planen. Die Gelegenheiten bieten sich sowieso nur noch selten und wenn es dazu kommt, hab´ ich garantiert keine feschen Dessous an. Zu dieser Zeit trage ich meist die ausgebeulte Schwangerschaftsunterwäsche, weil sie einfach mordsbequem ist. LUST ist, wenn man s trotzdem macht !

Urlaub mit dir

Erziehungsurlaub... Welcher Urlaub? Oh, Urlaub wäre schön. Urlaub von den wachen Nächten und Urlaub vom Windeln wechseln, aber nicht ohne dich.

Urlaub mit dir bedeutet nicht Urlaub zum Ausruhen, aber Zeit um ein enges Band zu knüpfen, was hoffentlich nie zerreißt. Und deswegen stehe ich erneut jede Stunde des Tages und jede Stunde der Nacht auf, wenn du es verlangst. Ich bin da, wenn du mich brauchst und werde ganz sicher da sein, wenn du denkst , dass du mich nicht brauchst. Ein halbes Jahr ist fast vergangen und ich bin fassungslos, wie schnell Zeit vergehen kann. Oft schon wollte ich, dass die Zeit mit dir einfach stehen bleibt und der Moment nie vergeht. Mein liebes Kind, Schön, dass es dich gibt. Du bist nun das Wichtigste in meinem Leben und ich werde dir alles geben. Ich hab dich lieb.

Deine Mama, aufgeschrieben am 13. April 2005

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