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Hanna kommt zur Welt

Hanna

Hanna - Teil 3

Der nächste Tag verging also recht langsam. Keine Wehen, aber ich erholte mich. Mir taten die Waden und Oberschenkel weh. Ich hatte Muskelkater vom Treppen steigen. Keine Wehen.

Eine teure GEL- Rechnung

Der 29. Oktober 2004 hat erneut mit der Legung eines wehenfördernden Gels begonnen. Das CTG Gerät hat im Laufe meines tagelangen Aufenthalts sicher schon einige hundert Meter Papier ausgespuckt. An jenem Tag kam auch deine zukünftige Oma G. zu Besuch. Eigentlich wollte sie 14 Tage nach deiner Geburt kommen, aber du wolltest ja nicht eher aus meinem Bauch. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich mit Babys nicht (mehr) planen kann. Ihr Besuch ließ sich nicht aufschieben, so dass sie nun deinen Geburtstag vor Ort erleben konnte. Erneut entfaltete das Gel keinerlei Wirkung. Hatte ich mir sowieso schon gedacht und den Ärzten auch mitgeteilt. Ich fragte bereits während des 7:oo Uhr CTG s , was wäre , wenn dieses vierte Gel wieder nichts bewirke. Die Hebamme sah mich fragend an und gab mir zur Antwort, dass so etwas nur sehr selten sei und es bei den meisten Frauen beim 4 ten Versuch schon klappen würde. Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass ich in dieser Minute bereits wusste , dass ich einer jener seltener Fälle sein werde. ....und so war es auch. Ich war der Verzweiflung nicht mehr nur sehr nahe, meine Geduld war gänzlich am Ende.

Ich konnte nicht mehr und so langsam machte ich mir auch Sorgen um das Baby. Vierzehn Tage war ich nun über der Zeit und ich hatte keinerlei Wehen. Vier Einleitungsversuche sind fehl geschlagen, zweimal hatte ein gewisser Dr. L. versucht meinen Muttermund mit seinen Metzgerfingern nach vorn zu ziehen. Mein Bein zuckte bereits, als ich so vor ihm auf dem Stuhl lag, um ihn genau mit meinem Fuß ins Gesicht zu treten. Ich beherrschte mich, denn die Ärzte waren in der Überzahl.

Der Schmerz verging. Den Sinn des Ganzen, verstehe ich bis heute nicht, denn gebracht hat es nichts. Inzwischen kannte ich auf der Geburtenstation jeden Arzt und jede Hebamme, auch sie konnten mich anscheinend nicht mehr sehen.: Ach, Frau L. , sie schon wieder beim CTG, ist denn bei ihnen noch nichts passiert ? Was sollte ich darauf sagen? Ich muss zu geben, dass ich bereits zu einigen Hebammen eine schon fast freundschaftliche Beziehung aufgebaut hatte. Sie haben sich wirklich rührend um mich gekümmert und mich unterstützt. Ohne Zweifel, sie haben ihren Job gut gemacht.

Bis 15 :00 Uhr hatte das Gel Zeit, seine Wirkung zu entfalten, danach musste ich erneut zur Kontrolle in die Geburtenstation. Dein Vater war bereits in der Klinik. Er hatte, dank uns, eine zwei- Tage-Arbeitswoche. Mit deiner baldigen Oma und deinem Vater ging es in den Kreißsaal. Wieder gingen wir Hand in Hand, mit Galgenhumor und ich weiter an der Grenze meiner nervlichen Belastung. Der Metzgermeister ( Dr. L.) erschien und schüttelte den Kopf. 

Frau L., was mache ich bloß mit ihnen? Vier Gels haben wir bereits an ihnen verheizt. Es nützt alles nichts, heute muss ihr Baby raus. Hopp oder Topp! Er weiter: Wir machen ihnen jetzt die Blase auf und hängen sie an den Wehentropf! Warum nicht gleich so? , ging es mir durch den Kopf. Es passiert, es passiert... 16:30 Uhr. Endlich ging es los. Deine Oma habe ich bereits vor der Blasenöffnung heim geschickt, wo sie sich vor Aufregung eine Piccolo genehmigte. Ihre jüngste Tochter bekam schließlich ihr erstes Baby. Sie wird Oma ! Dein Vater hat sich neben mich gesetzt und meine Hand fest gedrückt, denn von nun an konnte ich wirklich nicht mehr Lachen. Ich hatte Wehen und was für Wehen. Der Tropf und die geöffnete Fruchtblase brachten meine Gebärmutter zum Beben. Ich glaube, diese Einleitungsmethode ist die Atombombe unter den vielen Möglichkeiten.

Drei Wehen und ich verlangte nach Schmerzmittel. Ich bekam natürlich so schnell keine, sondern die Hebammen schlugen mir die Badewanne vor. So schlimm habe ich mir das ja nun nicht vorgestellt. Aller 1,5 Minuten Wehen.... Ich wollte nicht mehr. Ich verlangte außerdem noch nach meinem versprochenem Einlauf. 

Weil ich bereits kräftige Wehen hatte, wollten sie mir ihn erst verwehren, aber ich machte sie darauf aufmerksam, dass das sehr gefährlich sei..... Ich bekam ihn. Dein Vater suchte derweil das Weite und nutzte die Zeit um die Kamera zu holen. Wir haben das vorher so abgesprochen. Alles muss er nun wirklich nicht sehen. Ich kam mir in vielen Situationen schon ganz erbärmlich vor. Richtig entblößt. Aber das bedeutet eben auch die Geburt.

Ich muss nicht beschreiben , wie es ist, mit Wehen und einem Einlauf auf der Toilette zu sitzen und zu schwitzen. Danach ging es in die Wanne und es war sehr angenehm. Frau F. , so hieß die Hebamme, zündete Kerzen an und legte eine Entspannungsdisk ein. Es war nur noch das sanfte Licht von den Kerzen im Kreißsaal zu sehen und ich fühlte mich gut aufgehoben. Die Wanne gab mir Geborgenheit und ich fühlte mich geschützt durch sie. Ich kämpfte mit den Wehen und ca. 18:30 Uhr bekam ich Presswehen. Frau F. eilte herbei und Untersuchte mich. Muttermund zehn Zentimeter. Es kann losgehen. Pressen Sie!

Ich hielt mich an den Griffen in der Wanne fest und presste, was das Zeug hielt. Alles lief bisher nach Plan. Der gefürchtete Kaiserschnitt blieb aus. Eine Wassergeburt wäre ganz nach meinem Wunsch gewesen. Nach einer Weile des Pressens, ( Das Schmerzmittel hatte ich ganz vergessen erneut zu verlangen ) ging jedoch nicht weiter. 

Der Damm war nicht weich genug. Ich dachte an meine weggelassene Dammmassage und an den nicht getrunkenen Himbeerblättertee... Ich flehte die Hebamme an, sie solle die Zange holen und das Kind endlich heraus ziehen. Sie lachte und meinte , dass schaffe ich schon selber ohne Werkzeug. Und wieder eine Wehe. Es durchschauderte meinen Körper immer wieder. Ich war machtlos über ihn. Ich konnte die Wehen, die wirklich weh taten nicht unterdrücken. Zu dieser Zeit schrie ich schon wie am Spieß vor Schmerzen und ich hätte nie gedacht , dass mir es so egal sein wird, was die ANDEREN in dem Moment von mir denken. Ich wollte nicht schreien, aber es ging nicht anders.

Ich musste ab und an, an die arme Frau denken , die ich noch vor ein paar Tagen im Kreißsaal (fast) belächelt hatte, weil sie so brüllte. Ich verhielt mich schlimmer als sie. Freitag, 29.Oktober 2004, 20:15 Uhr Um 20:00 Uhr entschied die herbeigeeilte Ärztin, dass ich in der Wehenpause aus der Wanne solle, um einen Dammschnitt durchzuführen. Gesagt, getan. Ich trocknete mich kurz ab und eilte in das nächste Zimmer. Kurz vor dem Bett überfiel mich eine erneute Wehe. Ich hechtete also in der letzter Sekunde auf das Bett. Hebamme , Ärztin und dein Vater hinter mir her. Den Dammschnitt habe ich kaum gespürt. 

Wie zu vor feuerten mich alle an und ich folgte den Kommandos so gut es ging. Die Hebamme teilte mir mit, dass es noch einer letzten Wehe bedarf. Oh ich war froh. Ich presste und die Ärztin schob an meinem Bauch mit. Dein Vater sah mich an und sagte: Es ist da Schatz, es ist da, ein Mädchen. Ich bin stolz auf dich! Seine Worte und wie er es sagte werde ich nie vergessen. In seiner Stimme klang so viel Gefühl , Erleichterung und vor allem Liebe.

Fortsetzung - die ersten Eindrücke nach der Geburt

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