Hanna - Teil 1
Schön, dass es dich gibt.
Alles begann, als ich durch einen Schlecker- Schnellschwangerschaftstest erfuhr, dass ich schwanger bin. Das Testergebnis wartete ich noch auf Arbeit mit meiner lieben Kollegin im Büro ab. Jedoch war das Ergebnis nicht eindeutig für mich, denn es war nur ein schwacher rosa Streifen zu sehen. Na toll!
Ich wusste also genauso viel wie vorher und ärgerte mich zehn Euro investiert zu haben. Ein Anruf beim Gynäkologen zerstreute jedoch jeglichen Zweifel. Wir vereinbarten einen Termin. Zum ersten Mal sah ich dein kleines Herzlein auf dem Monitor. Es klopfte ganz schnell und mir stiegen vor Bewegung die Tränen in die Augen. Nie werde ich diesen Moment vergessen. Jetzt war es also soweit. Welch Aufregung durchfuhr mich. Bin ich wirklich schon so weit Mutter zu werden? Werde ich eine gute Mutter sein? Kann ich so viel Verantwortung tragen? Wird es finanziell möglich sein?
Wenn gleich ich mir diese Gedanken schon vor dem geplanten Baby machte, ist es jetzt doch etwas anderes. Wie teile ich es meinem Chef mit? Heuchelt er mir seine Freude entgegen? Wie sollst du heißen? Wie überstehe ich die Geburt? Bin ich die erste Mutter, die die Schmerzen nicht aushält? Was ist, wenn du den Geburtskanal nicht findest?
Fenchel ist gesund
Nun begann das bewusste Ernähren. Eine Zeit lang hielt ich durch, bis mir die schreckliche Übelkeit meinen abwechslungsreichen Ernährungsplan durchkreuzte. Es folgten Monate des Erbrechens. Ich aß nur noch trockene Nudeln und Salat. Bis ich auch diese Speisen nicht mehr sehen konnte. Ich kann mich noch voller Grauen an frischen Fenchel im Kühlschrank erinnern, den ich kaufte, weil er viel Folsäure enthält. Ich erblickte also jenen Fenchel und schon die Vorstellung allein , wie er schmecken könnte , brachte mich erneut zum Übergeben. Dein Vater musste ihn sofort entsorgen. Sein Kommentar: ..Was ist los Schatz, der ist doch noch gut!
Ich verlieh meiner Stimme noch mehr Nachdruck ( so gut es ging ), während ich in die Toilette schaute und zwischendurch immer wieder würgte. Schmeiß den Fenchel weg! Er tat es und fragte nicht weiter. Ich übergab mich noch eine Weile, bis mir alles weh tat. Erneut fragte ich mich, wie manche Frauen mehr als ein Kind bekommen können. Ich war erst drei Monate schwanger und schon fix und fertig. Ich wollte nicht mehr. Ich hab mir das anders vorgestellt!
Mein frühlingshafter Traum
Es begann der Frühling und es war für mich zu diesem Zeitpunkt, der schönste Frühling in meinem Leben. Mir war nicht mehr schlecht, der Bauch wuchs langsam und ich genoss mit deinem Vater die Zweisamkeit mit dem Gedanken bald zu Dritt zu sein. Die Frühlingsblumen lachten mich alle an und die ersten Sonnenstrahlen kitzelten meinen Bauch. Mir ging es einfach gut. Kann man glücklicher sein? Von Anfang an gingen wir davon aus, dass du ein Junge wirst. Wir hatten so ein Gefühl... Eines nachts träumte ich jedoch von einem kleinen Mädchen, was voller Lachen mit ihren blonden Locken, barfuss über eine Blumenwiese lief. Ich wachte auf. War das ein Zeichen? Es war ein schöner Gedanke. Na klar, es kann ja auch ein Mädchen werden , so schoss es mir durch den Kopf. Aber dein Geschlecht blieb noch fast zwei Monate ein Geheimnis für uns. Ha, purer Neid.
Der Sommer kam und mein Bauch war im sechsten Monat nicht mehr zu übersehen. Stolz war ich auf ihn. Beim Baden im See stieß mein stolzer Bauch jedoch nicht immer auf Verständnis. Ich verhüllte ihn nämlich nicht in einem dunklen Badeanzug, sondern ging in einem pinkfarbenem Bikini ins Wasser.
Ob jung oder alt, viele beäugten mich! Nein, durchbohrten mich mit ihren empörten Augen! Ich fand nichts schlimmes an meinem wunderschönen, nackten, Kugelbauch. Er war allemal viel schöner, als der von manch Nichtschwangeren! Teilweise fühlte ich mich richtig diskriminiert oder war es bloß der Neid der anderen, der zu mir drang? Ich beschloss, nicht mehr so viel baden zu gehen. Nicht, dass ich kein Selbstbewusstsein gehabt hätte, neeeeeeeeeeiiiiiiiiin! Meine Kilos waren doch gut verteilt! Oder? War mein Hintern inzwischen doch dicker als mein Bauch? Warum schaffen es diese Leute tatsächlich, das wir Schwangeren, die so schon jedes Mal Angst vor der Waage beim Arzt haben, sich noch schwerer fühlen, als wir sind ?! Einen Gruß hiermit an jene Leute ...
Mein Balkon war ja auch schön zum Sonne tanken. Gut, die kleine Wasserschüssel in welche ich meine Füße stellte war kein Vergleich zum Schwimmvergnügen im See, aber ich bekam bei so viel klarem Wasser die Idee, meine Füße aufzumöbeln. Mit Bauch ist das zwar eher sehr mühsam, aber irgendwie kommt man schon ran. Ein neuer Nagellack brachte meinen Füßen die Sommerfrische zurück! Guckt man Schwangeren überhaupt auf die Füße? War meine Arbeit etwa umsonst?
Das große Geheimnis
Die Namensbücher wurden von mir wieder und wieder gewälzt. Ich durfte die Erstauswahl vornehmen, jedoch strich dein Vater gnadenlos alle meine schönen Namen für dich von meiner Liste. Seine Kommentare reichten von zu exotisch! bis der klingt doch einfach scheiße! Seine ausgewählten Favoriten waren mir aber einfach zu geläufig. Meist waren es solche Namen, die schon 2002 und 2003 die beliebtesten in Deutschland waren. Wir kamen einfach nicht auf einen Nenner. Das die Suche so schwer sein würde, hätte ich nicht geglaubt. Bis etwa drei Wochen vor deinem Geburtstermin, wussten wir nicht wie du heißen solltest. Spontan vor dem Fernseher fiel er mir plötzlich ein. Ich wusste auf einmal deinen Namen , als wäre er dir vorherbestimmt gewesen. Sogar dein Vater war gleich begeistert. Wir waren uns ganz sicher den richtigen Vornamen gefunden zu haben, verrieten ihn jedoch vorerst niemanden.
Das Training
Ich las sämtliche Literatur für Schwangere. Meine geliehenen Bücher über Babys gleich mehrfach und immer wieder. Wie groß bist du jetzt? Schwebst du schon wie ein kleiner Astronaut in meinem Bauch umher? Kannst du meine Stimme schon hören? Wie viel Klassische Musik kannst du noch ertragen bzw. ich?
Etwa acht Wochen vor der Entbindung fing unser Paargeburtsvorbereitungskurs an. Dort lernt man (n) unter anderem wie eine imaginäre Aprikose mit den Schamlippen angesaugt wird und Schmerzen vertönt werden, aber dazu später mehr. Übrigens äußerten in der Pause einige Männer ihre Angst, vor noch mehr Steinobst. Ich war nur froh, dass es keine Melone war. Viele Übungen sind jedenfalls ganz nützlich. Einige Tipps werden gegeben, zum Beispiel den Damm auf die Geburt mit Dammmassagen vorzubereiten. Weis einer wie das geht? Ich meine praktisch! Trotz entsprechenden Demonstration an einem Stoffmodel von der leitenden Hebamme, hab ich zu Hause nur gezweifelt, ob das der Damm sein könnte, den ich bearbeitete. Ich ließ diese Übung weg. Leider musste ich das später bereuen. Ich würde diesen Kurs trotzdem jedem empfehlen. Auch Kursus-Männer fühlen sich an der Schwangerschaft und der Geburt noch mehr beteiligt. Die Frauen werden in diesem Kurs begreifen, dass nichts Menschliches den Hebammen fremd ist und sie sich während der Geburt frei machen müssen von Hemmungen.
Außerdem glaube ich, dass dein Vater vor dem bevorstehenden Ereignis und dem was ich leisten muss, Respekt bekommen hat. Ob es an meinen Kilos lag? Immerhin wog ich einiges mehr als er.
Typisch Chef. Endlich hatte
ich meinen Mutterschutz erreicht und konnte die Arbeit hinter mir lassen. Der
Abschied fiel mir nicht schwer und wie sich mein Chef benahm, so hatte er sich
schon längst von mir verabschiedet. Es gab weder eine offizielle Verabschiedung
oder Blumen. Wäre es so gewesen, wäre es mir auch unangenehm gewesen, deshalb
war ich ganz froh, dass nichts dergleichen an mir verübt wurde. Jedoch wenn man
in einem großen Unternehmen arbeitet, sind solch Verabschiedungen mit dieser
Form selbstverständlich, so dachte ich und hab es bisher auch so erlebt.
Ich war enttäuscht, dass ihm meine Arbeitskraft so wenig bedeutete oder
interessierte. Gibt es eigentlich noch andere Chefs? Sie mögen sich bitte
bei mir melden. Ich bereute also zunächst mein Engagement für die Arbeit und das
ich bis zum Schluss jeden Tag hundert Kilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln
zur Arbeit gefahren bin. Jede hochschwangere Frau kann das sicher
nachvollziehen. Nun gut, ehe mein Hals bei diesen Erinnerungen noch weiter
anschwillt, kommen wir zum Herbst und den letzten Wochen der
Zweisamkeit.
Fortsetzung Hanna - die
Geburt